andreaseschbachs

Ludwig Reiners
Stilfibel. Der sichere Weg zum guten Deutsch.

Dieses Buch ist ein absolutes Muß. Nicht nur für Autoren, sondern für jeden, der die Umwelt mit irgendwelchen Texten belästigt - aber für Autoren natürlich ganz besonders. Man erfährt hier nicht, wie man Romane schreibt, sondern - viel fundamentaler - wie man Sätze schreibt.

Sozusagen nach dem Prinzip der optimalen Schadensbegrenzung werden zunächst die zwanzig absolut disqualifizierenden Stilverbrechen behandelt. Es folgen zwanzig Regeln zur Wortwahl, zum Satzbau, zur Tonart und zum Gebrauch von Fremdwörtern, und schließlich zwanzig Ratschläge, wie man lebendig und anschaulich schreibt. Eine kurzgefaßte Übersicht über die Grammatik, die man wirklich braucht, und zu verschiedenen Einzelfragen runden das Buch ab.

Ich will es mal so sagen: Wer seine Manuskripte immer wieder mit den allerförmlichsten Formabsagen zurückerhält, kann in diesem Buch vielleicht erfahren, woran es tatsächlich liegt.

(Anmerkung: Ich bin darauf hingewiesen worden, dass Ludwig Reiners dieses Buch zu großen Teilen aus einem vor dem Krieg verbreiteten Buch von einem gewissen Eduard Engels abgekupfert (heute würde man sagen: geguttenbergt) haben und auch sonst eine Figur mit allerlei Schattenseiten gewesen sein soll. Hier kann man einen Artikel zu dem Fall lesen; inwieweit die Darstellungen zutreffen, kann ich allerdings nicht beurteilen. Wer sich selbst ein Bild vom Umfang des Plagiats machen will, kann hier das Buch "Deutsche Stilkunst" von Eduard Engels einsehen, das wohl letztmals 1931 erschienen ist, ehe es wegen der jüdischen Abstammung seines Verfassers der Nazi-Zensur zum Opfer fiel. (Da der Autor 1938 starb, ist es inzwischen gemeinfrei.)

Diese unschönen Hintergründe (oder: Abgründe)
ändern nichts am Wert des Buches selbst, ich empfehle es weiterhin. Aber der Verlag wäre vielleicht gut beraten, es um ein klärendes Vorwort zu ergänzen und, falls die Vorwürfe zutreffen, Eduard Engels Urheberschaft daran anzuerkennen und in geeigneter Weise klarzustellen.)

 
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Gabriele L. Rico
Garantiert schreiben lernen

Als mir dieses Buch in die Hände fiel, konnte ich schon auf zwanzig Jahre Erfahrung als Autor und zwei veröffentlichte Romane zurückblicken. Also schlug ich es auf in der Erwartung, darin nichts wesentlich Neues zu erfahren.

Weit gefehlt! Die Autorin hat einen verblüffend anderen Ansatz, ans Schreiben heranzugehen. Es dreht sich bei ihr alles um eine Technik, die sie Clustering nennt und die sie variantenreich und mit vielen speziellen Anwendungsfällen erklärt.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen, und in der Nacht konnte ich nicht schlafen vor Aufregung. Um drei Uhr früh bin ich aufgestanden und habe angefangen, zu clustern, und seither ist das meine Leib- und Magentechnik in allen Fällen, wo mir der Text nicht von selber aus den Fingern läuft. Es ist keine Technik, die alles andere überflüssig macht, nein – aber sie unterstützt alles, was man handwerklich sonst beherrscht. Es ist wie Gewürze ans Essen tun.

Wer auch nur einen Hauch von Talent hat, lernt auf diese Weise tatsächlich, besser zu schreiben. Selbst jemandem, der kein Talent hat, kann diese Technik helfen, wenn er doch einmal etwas schreiben muß - und sei es nur einen Brief.

 
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James N. Frey
Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

In diesem Buch geht es um das Schreiben von Romanen. Nicht um Romane, wie sie, sagen wir, Suhrkamp verlegen oder das Feuilleton bejubeln möchte, sondern um Romane, die so geschrieben sein sollen, daß auch der Leser seinen Spaß hat. Wer auch nur entfernt im Rahmen eines Genres schreibt, muß das wissen, was in diesem Buch erklärt wird.

Wie schafft man eine Romanfigur? Wie erzeugt man den wichtigsten Grundstoff packender Geschichten, nämlich Konflikt? Wie kann einem die Prämisse helfen, eine Geschichte "rund" werden zu lassen? Wie schreibt man Dialoge? Wie überarbeitet man, was man geschrieben hat?

Ein komplettes Werkstattbuch für den Romanschriftsteller.
 
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James N. Frey
Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 2

Wie der Titel andeutet, ergänzt dieses Buch den ersten Band um einige Aspekte, die über die Grundlagen hinausgehen. Es geht um das Schaffen von Spannung, um die Prämissen von Geschichten, um die Stimme des Erzählers und um die 7 Todsünden des Schriftstellers. Genauso lohnend wie Teil 1, aber erst, wenn man Teil 1 gelesen und in die Praxis umgesetzt hat.

Es gibt noch weitere Bücher zum Thema Schreiben von James N. Frey: Die haben mich jedoch nicht mehr überzeugt. Meiner Einschätzung nach hat er in den ersten beiden Büchern alles gesagt, was er zu sagen hat; alles danach ist Recycling. 


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Stephen King
Das Leben und das Schreiben

Endlich mal ein wirklich erfolgreicher Autor, der ein Buch über's Schreiben schreibt! Mit Stephen King wohl einer der erfolgreichsten Autoren überhaupt... Ganz klar, daß dieses Buch her mußte. Und: natürlich ist es fesselnd zu lesen. Dieser Mann könnte über seine Socken schreiben und man würde Zeit und Raum darüber vergessen. Aber die Frage ist ja: kann er uns beibringen, wie man das macht - so fesselnd zu schreiben?

Ich muß an eine Geschichte denken, die ich einmal gelesen habe: Ein Golfprofi, ein Naturtalent, wurde von einem wohlhabenden Country Club eingeladen, seinen wohlhabenden Mitgliedern das richtige Golfen beizubringen. Der Golfprofi läßt sich breitschlagen und steht also eines Morgens vor seinen Bewunderern, erklärt, wie man sich aufstellt usw. - Dinge also, die alle schon wissen - und sagt schließlich hilflos: "Ja, und dann... dann... dann schlagen Sie einfach so auf den Ball, daß er ins Loch trifft!"

Stephen King weiß über das Schreiben zum Glück mehr zu sagen. Das Buch zerfällt in zwei Teile: Im ersten Teil schildert er seinen Werdegang (was teilweise sehr bewegend ist, uns aber hier nicht interessieren soll), im zweiten Teil geht es dann ums Schreiben selbst. Da sagt er manches, wovon man im Deutschunterricht so nie gehört hat (und nie hören wird), in vielem erkennt man sich wieder, so man selber schreibt (was natürlich gut tut) - aber einige Stellen gibt es, die klar werden lassen, daß King auch in hohem Maße ein intuitiver Schriftsteller ist. Da gibt er dann Ratschläge, die für ihn selber funktionieren mögen - aber nicht unbedingt für andere! Seine Weigerung etwa, Handlung vorauszuplanen. Schön, wenn man es so kann. Wenn man einen Apparat im Geist eingebaut hat, der das für einen erledigt, ohne daß man sich dessen bewußt wird. Aber für einen Anfänger ist das ein geradezu verheerender Ratschlag.

Etwas zu können heißt nicht unbedingt, daß man es auch anderen beibringen kann. Deswegen ist Kings Buch, obwohl es unzweifelhaft gut, lehrreich und sein Geld wert ist, mit einiger Vorsicht zu genießen. Es sollte nicht das einzige Buch über's Schreiben sein, das man sich vornimmt.


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Elizabeth George
Wort für Wort
oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben.

Tja. Hätte ich auch nicht geglaubt, daß ich mal freiwillig ein Buch von Elizabeth George von Anfang bis zum Ende durchlesen würde, und auch noch in einem Rutsch! Aber hier war es so. Des Rätsels Lösung: Es ist kein Roman über Inspector Lynley, sondern ein Buch über das Schreiben. Ein Buch darüber, um genau zu sein, wie Elizabeth George schreibt. Und um es kurz zu machen: Es ist richtig gut. Was seinen Nutzwert anbelangt, sogar besser als das von Stephen King.

Was das Buch so gut macht, ist eben diese persönliche Haltung. Elizabeth George tritt nicht mit dem Anspruch auf, die allein seligmachende Methode zu verkünden, sondern läßt keinen Zweifel daran, daß sie nur ihre eigene, ganz persönliche Arbeitsweise schildert und es uns überläßt, daraus abzugucken, was uns nützlich erscheint. Sympathisch ist, daß sie, obgleich enorm erfolgreiche Bestsellerautorin, immer noch von Zweifeln geplagt wird, ob sie überhaupt gut schreiben kann (ihre Fans mögen mir verzeihen, aber meinem Gefühl nach sehen manche Zitate aus ihren eigenen Romanen neben Textstellen anderer Autoren tatsächlich eher blass aus), und daraus auch keinen Hehl macht: Auch das gehört zum Dasein eines Schriftstellers.

Nun ist Elizabeth George bekanntlich eine Autorin, die es mit der Charakterisierung und Erforschung ihrer Figuren eher übertreibt (zumindest für den Geschmack männlicher Leser). Schreibanfänger hingegen neigen eher zum Gegenteil, nämlich dazu, es mit der Ziselierung der Handlung zu übertreiben und den Figuren zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Kombination macht dieses Buch zum idealen Handwerksbuch besonders - aber nicht nur - für Schreibanfänger, denn ihr Werkzeugkasten für den Umgang mit Romanfiguren ist wahrhaftig beeindruckend und zudem überaus lehrreich geschildert. Doch auch die übrigen Aspekte des Schreibens kommen nicht zu kurz, und alles in allem ist dieses Buch so reichhaltig, daß es mit einmal Durchlesen nicht getan sein wird.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen Roman zu schreiben, aber nicht recht weiß, wie anfangen: In diesem Buch steht, wie. Wer wissen möchte, worauf man sich einläßt, wenn man Schriftsteller werden will, bekommt zudem einen guten Einblick in den Alltag des Schreibens.

Wenn Sie anfangen zu schreiben und sich vorerst nur ein einziges Buch über das Handwerkliche zulegen wollen, dann nehmen Sie dieses!