Software für Autoren: Papyrus

Ich selber habe nur ein einziges Buch mit Word geschrieben ("Das Buch von der Zukunft"), und auch nur, weil ich dachte, hmm, Sachbuch, da reicht meine selbstgebastelte Textverarbeitung vielleicht nicht, da brauche ich womöglich all die Gliederungsfunktionen und Fußnoten und Tabellen und so weiter. Mein Fazit danach: Nie. Wieder.

Ja, natürlich "kann" Word "alles", was eine Textverarbeitung können muss. Freilich. Und es ist auch nicht so, dass ich mit dem Programm nicht zurechtkäme – in den Neunzigern habe ich sogar WORD-Kurse gegeben. Aber irgendwie hat Word an ganz vielen Stellen ganz viele kleine, für sich genommen unwesentliche Macken, die mich in Summe unendlich genervt haben. Dass ab und zu Zeilen unsichtbar werden. Dass es mal so und mal so umbricht, ohne dass man verstünde, warum. Dass es manchmal unendlich langsam speichert und gigantische Files erzeugt. Und so weiter. Das stört alles nicht, solange man Briefe oder kurze Sachen schreibt, aber auf die Distanz einer Buchlänge beisst man schon mehrmals in die Tischplatte und gebraucht schlimme Wörter in einer Menge, die bestimmt zu einem negativen Eintrag in Sankt Nikolaus' Buch führt.

Inzwischen ist das Geschichte. Seit ich auf den Mac gewechselt bin, besitze ich Word gar nicht mehr. Mein eben erwähntes selbstgebasteltes Romanschreibprogramm, das mir viele Jahre treue Dienste geleistet hat, lässt sich auf einem Mac zwar noch zum Laufen bringen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es an der Zeit war, sich nach etwas Neuem umzusehen.

Eines der Programme, die heute aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken sind, heißt Papyrus. Dieses Textprogramm gibt es schon lange – die erste Version ist noch für den ATARI ST entwickelt worden, also kurz nach Erfindung des Buchdrucks ungefähr. Ich war irgendwann über eine Computerzeitschrift mit Werbe-CD an eine kostenlose Lizenz gekommen, an der mir zwar viele Details gefielen, mit der ich aber trotzdem nie so richtig warm geworden war, sodass sie auf meinem PC nur ein Schattendasein führte. Aber mir war noch im Gedächtnis, dass es davon auch eine Mac-Version gab, also lud ich mir die entsprechende Demo herunter und testete sie auf meinem ganz neuen, noch staubfreien Mac.

Just um diese Zeit herum – wie der Zufall eben so spielt – erreichte mich ein Mail der Macher von "Papyrus", einer kleinen Softwarefirma in Berlin. Man bedankte sich dafür, dass ich "Papyrus" auf meiner alten Homepage erwähnte. Ich schrieb zurück, erzählte ausführlicher, was mir an dem Programm gefiel und was mich störte, und erfuhr zu meiner Verblüffung, dass man gerade an einer Version speziell für Autoren arbeite und überaus offen für Anregungen aller Art sei. Daraus entstand ein ausgiebiger Mailwechsel: Was ich von dieser Idee hielte, oder von jener? Ich hielt mit meinen Einschätzungen nicht hinter dem Berg, und weil die Gelegenheit günstig war, schickte ich meinen kompletten (damals noch nicht veröffentlichten) Artikel zur "10-Punkte-Text-ÜV-Methode": Ob sie nicht Lust hätten zu versuchen, diese Methode ins Programm zu integrieren?

Sie hatten! Seit einigen Monaten gibt es eine Beta-Version, und zur Buchmesse soll die endgültige Version von "Papyrus Autor" erscheinen. Und wer jetzt mal sehen will, ob ein Schreibprogramm, das für mich wie maßgeschneidert ist, auch etwas für ihn sein könnte, möge hier weiterlesen.

Nachtrag: Dieser Eintrag wurde aus rechtlichen Gründen am 22.10.2009 geändert.