Mein Kino-Tipp des Jahres: "Transfer"

Vor einigen Jahren meldete sich ein junger Regisseur namens Damir Lukacevic bei mir, der in "Eine Trillion Euro", der von mir herausgegebenen Anthologie europäischer SF-Autoren, die Kurzgeschichte "Tausend Euro, ein Leben" von Elía Barceló gelesen hatte. Er bat mich, ihm einen Kontakt zur Autorin herzustellen; er wolle diese Story verfilmen. Diesen Kontakt habe ich natürlich gerne hergestellt, und dann hörte ich erst einmal nichts mehr.

Letztes Jahr dann kam auf einmal wieder ein Mail: Der Film sei fertig, er heiße "Transfer", ob ich ihn sehen wolle? Wollte ich natürlich. Ein paar Tage später hielt ich eine DVD in Händen, die meine Frau und ich uns natürlich bei nächster Gelegenheit zu Gemüte führten. Und was soll ich sagen? "Transfer" ist locker einer der besten SF-Filme, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. Nicht nur, dass der Film die ohnehin schon bewegende Geschichte Barcelós congenial umsetzt und weiterdenkt, es war auch einer jener seltenen Filme, die einem tagelang nachgehen, die einem immer wieder in den Sinn kommen, über die man lange nachdenken muss. Und nicht zuletzt zeigt der Film auch eine grandiose schauspielerische Leistung des männlichen Hauptdarstellers; so großartig, dass einem (mir jedenfalls) erst im Nachgang klar wird, wie großartig das gespielt war: Im Grunde trägt er den Film.

"Transfer" (hier ein Trailer) ist jetzt ein Jahr lang auf diversen Festivals gelaufen und hat zahlreiche Preise gewonnen; am 22. September 2011 läuft er nun auch bundesweit in den Kinos an. Genauer gesagt, in folgenden Städten und Kinos:

Ahaus: Cinema Ahaus
Berlin: Acud Kino, Brotfabrik
Bremerhaven: Passage
Dortmund: Sweet16
Dresden: Casablanca
Gelsenkirchen: Multiplex
Halle: Lightkinos
Hamburg: Passage Kino
Konstanz: Zebra
Lüdenscheid: Park-Theater
Neckarsulm: Scala
Nürnberg: Cinecitta
Osnabrück: Filmpassage
Ravensburg: Die Burg
Schweinfurt: Union
Stuttgart: Metropol
Überlingen: Cine-Greth

Ja, das sind nicht viele, und ich würde auch nicht drauf wetten, dass der Film lange läuft; dazu stehen schon zu viele Krach-Bumm-Peng-Blockbuster der großen Filmfirmen an. Wenn Sie in Reichweite wohnen und wenn Ihnen intelligente Science-Fiction-Filme wie, sagen wir, GATTACA oder damals die Filme von Rainer Erler gefallen haben, dann sollten Sie sich "Transfer" auf keinen Fall entgehen lassen!

Lübbe-Lesejury: "Herr aller Dinge" vorab lesen

Die "Lesejury", das Bücherforum des Lübbe-Verlags, bietet die Chance, das Manuskript des Romans "Herr aller Dinge" schon vor Erscheinen des Buches lesen zu können. Man muss dazu Mitglied der, wie man heute zu etwas sagt, "Community" sein – oder werden – und sich außerdem per Mail um eines der zur Verfügung stehenden Bücher bewerben (so richtig mit Begründung, warum dieses Buch und so weiter), und außerdem muss man ein wenig Glück haben, denn die Zahl derer, die das gesamte Manuskript lesen dürfen, ist auf 30 begrenzt. Für alle anderen wird es eine Leseprobe geben.

Nähere Informationen findet man hier sowie (dafür muss man aber schon eingeloggt sein) hier. Bewerben muss man sich bis zum 17. Juli, die Aktion selber startet am 1.8.2011.

Unter Philosophen

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Mit der Zeitschrift für Philosophie "der blaue Reiter" verbindet mich vor allem, dass deren erstes Heft zum Thema "Geld" mir vor langer Zeit – damals nämlich, als ich gerade dabei war, meinen Roman "Eine Billion Dollar" zu entwickeln – eine Menge Stoff zum Nachdenken gab und mich auch zu der einen oder anderen entscheidenden Einsicht führte. Weswegen besagtes Heft in besagtem Roman in der Literaturliste auftauchte, was wiederum die (damals noch, ebenso wie ich, in Stuttgart ansässige) Redaktion des "blauen Reiters" freute, denn Philosophie ist ja nun nicht gerade das profitabelste Metier; da freut man sich über jede Werbung.

Über zehn Jahre später gibt es den "blauen Reiter" immer noch, wenn er auch inzwischen (denn, wie schon Heraklit erkannte, ist alles stets im Wandel) aus Aachen angeritten kommt, und es gibt wieder ein Heft zum Thema "Geld" im weitesten Sinne, genauer gesagt, ein Heft über "Philosophie und Wirtschaft" mit dem Untertitel: "Krise und Zukunft des Kapitalismus". Hierfür bat mich der Chefredakteur um einen Beitrag, was sich insofern mal wieder gut traf, dass mir in dem Moment, in dem seine Anfrage bei mir eintraf, ohnehin ein paar Ideen und Gedanken zu diesem Thema durch den Kopf gingen, von denen ich nicht recht wusste, was ich daraus machen sollte: Sie nur im Tagebuch zu lassen schien mir zu schade, in einen Roman passten sie nicht … es war, ja, eher was Philosophisches. Im weitesten Sinne. Denn in der Kunst akademischer Textgestaltung (nach dem Motto "Imponieren geht vor Informieren" oder: "Warum es einfach und klar sagen, wenn man es auch kompliziert und unverständlich ausdrücken kann?") bin ich nicht wirklich bewandert; an der Tür zum Elfenbeinturm ließe man mich wohl gar nicht erst ein. Da kam dieses Angebot von einer Zeitschrift, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Philosophie elfenbeinfrei und auf Augenhöhe mit dem Leser darzustellen (das Wort "allgemeinverständlich" passt hier nicht, denn natürlich geht es auch in der Philosophie nie ohne eigenes Denken ab, und das schränkt die Zielgruppe durchaus empfindlich ein), gerade recht.

Was erwartet den geneigten und interessierten Leser? Der Titel meines Beitrags lautet "Die Fußballtheorie des Geldes", und ich erkläre darin anschaulich, relativ mathematisch und, so will mir scheinen, unmissverständlich unter anderem, warum die Vorstellung, die Staatsschulden könnten jemals abgebaut werden, völlig utopisch ist (ganz egal, wer Finanzminister ist und was dieser tut oder lässt), warum auch die Idee, dass uns Wirtschaftswachstum retten könne, Unfug ist (tatsächlich wird dadurch alles immer noch schlimmer), und komme zu dem Schluss, dass das, was gegenwärtig als "Krise des Kapitalismus" betrachtet wird, in Wirklichkeit die Auswirkung eines Konstruktionsfehlers im Finanzsystem ist (sprich: die Krise gäbe es auch ohne Kapitalismus).

Was es sonst noch für Beiträge gibt, kann man dem Inhaltsverzeichnis entnehmen. Erwerben kann man die Zeitschrift in jeder guten Buchhandlung; man kann sie dort auch bestellen lassen, übrigens auch dann, wenn die Buchhandlung ansonsten keine Zeitschriften führt. Und natürlich kann man sie auch direkt beim Verlag bestellen.

Hier die Angaben:
der blaue reiter, Ausgabe 30
ISBN: 978-3-933722-32-4
Preis: 15,90 € (D), 16,40 € (A), 29,50 sfr

"Eine Billion Dollar" als Schauspiel in Wuppertal

Gerade entdeckt: Am Donnerstag, dem 18.11.2010 um 19:30 Uhr wird in Wuppertal das Bühnenstück "Eine Billion Dollar" aufgeführt, eine Inszenierung von Christian von Treskow nach meinem Roman. Ja, ich weiß – das ist schon morgen. Ein bisschen rechtzeitig wäre der Tipp hilfreicher gewesen. Aber vielleicht klappt es bei irgendjemanden trotzdem noch. Würde mich freuen.

Schreibcamp erfolgreich

Vor einiger Zeit habe ich auf das von Frank Borsch und Michael Markus Thurner veranstaltete Schreibcamp hingewiesen: Inzwischen hat es stattgefunden, und offenbar, wie mir Frank schrieb, mit großem Erfolg. Zitat aus seiner Mail: "Eine Woche in perfekter Harmonie zwischen allen Beteiligten, traumhafte Oktobersonne, intensive Arbeit, intensive Begegnungen … und Texte und Teilnehmer, die Fortschritte gemacht haben, die ich nicht für möglich gehalten hätte!"

Wer bei der Lektüre des ausführlichen Berichts in Franks Blog "auch will!!" denkt, wird sich über die Information freuen, dass Michael und Frank nächstes Jahr gleich zwei weitere Camps anbieten: vom 9. bis 17. April und 22. bis 30. Oktober 2011. Alle weiteren Informationen finden sich unter www.schreibcamp.de.

Hörspiel "Quantenmüll" wird wiederholt

Das Schweizer Radio wiederholt das Hörspiel “Quantenmüll”. Ausstrahlungstermin ist voraussichtlich Freitag, der 5. November 2010 im Hörspieltermin auf DRS1 um 20 Uhr.

Bei dem Hörspiel handelt es sich übrigens nicht um eine Bearbeitung der gleichnamigen Kurzgeschichte, sondern um ein von mir verfasstes Original-Manuskript. Die Kurzgeschichte ist nach der Vorlage des Hörspiels entstanden, nicht umgekehrt.

Schreibcamp

Was lese ich heute, als ich gerade so feiertäglich-faul durchs Internt schlendere? Zwei geschätzte Kollegen, nämlich Frank Borsch und Michael Marcus Thurner, beide u.a. Autoren der Perry Rhodan-Serie, haben ein Projekt ausgetüftelt, dem viel Erfolg zu wünschen ist. Die Grundidee: Eine Horde Phantastik-Autoren fällt über ein einsam und abseits gelegenes Hotel her, um eine Woche lang – rundum versorgt – nur zu schreiben, übers Schreiben zu diskutieren und wieder zu schreiben. Das klingt so gut, dass ich fast selber in Versuchung komme...

Aber ich werde es mir verkneifen, jemandem einen Platz wegzunehmen. Gedacht ist das ja als Angebot für die nächste Generation der Autoren, für die, die das Gefühl haben, sie sollten endlich mal Ernst machen, für die, die tiefgehendes Feedback suchen und die Auseinandersetzung mit erfahrenen Profis - denen sei gesagt: Zugreifen!

Profis sind beide, ausgewiesen nicht nur durch ihre Mitarbeit an der Perry Rhodan-Serie (was, egal wie man zu solchen "Heftles-Romanen" steht, organisatorisch schlicht nicht funktioniert ohne ein hohes Level an Professionalismus), sondern auch durch eigenständige Veröffentlichungen: Frank Borsch hat die hervorragende Trilogie "Alien Earth" herausgebracht, und Marcus Michael Thurner hat mit "Turils Reise" einen SF-Roman vorgelegt, bei dem ich, als ich gelesen habe, worum es darin geht - um einen interstellaren Bestattungsunternehmer auf seiner Reise durch die Galaxis! -, laut aufgelacht und den Titel sofort auf meine "bei nächster Gelegenheit zu bestellen"-Liste gesetzt habe. (Ehe jemand fragt: Nein, ich hab das Buch noch nicht gelesen. Aber da Marcus' Perry Rhodan-Romane zu denen gehören, die ich immer mit Vergnügen lese, bin ich mir sicher, dass ich mich köstlich amüsieren werde. Es ist einfach so, dass ich Romane fast immer mit gehöriger Verzögerung lese; wenn ein Buch von Null in die Bestsellerliste steigt, bin ich fast nie daran beteiligt, und Verlage ohne ausgedehnte Backlist verdienen wenig an mir.)

Ach ja, den Link noch, auf den es ankommt: http://www.schreibcamp.de.