Amigurumi!

Zu den im positiven Sinne überraschendsten Mails, die mich in letzter Zeit erreichten, gehörte das von Frau Karin Godinez. Sie lebe, schrieb sie, mit ihrem Mann in Griechenland, läse meine Romane und wolle mal anfragen, ob ich nicht eine Kindergeschichte für sie schreiben wolle; sie würde diese dann auf ihrem Blog veröffentlichen, zusammen mit Fotos der Amigurumi, die sie eigens dafür häkeln werde.

Normalerweise lehne ich im Interesse meiner Romane derartige Ansinnen sofort freundlich, aber bestimmt ab, doch ehe ich das tun konnte, erging es mir, wie es Ihnen jetzt gerade wahrscheinlich ergangen ist, ich fragte mich nämlich: Was um alles in der Welt ist ein Amigurumi?

Also rief ich ihr Blog auf – und war dann doch, wie ich zugeben muss, einigermaßen verblüfft und ziemlich angetan. Und weil für Kindergeschichten im Hause Eschbach ohnehin meine Frau zuständig ist, zeigte ich ihr die Seite, und sie war ebenfalls einigermaßen verblüfft und ziemlich angetan. Es fiel ihr zudem auch gleich eine Geschichte ein, und so fragte ich Frau Godinez, ob ich ihre Anfrage weitergeben dürfe. Ich durfte.

Das ist jetzt rund 2 Monate her, und seit kurzem ist der erste Teil der Geschichte online. Wenn Sie jetzt also auch endlich wissen wollen, was ein Amigurumi ist, dann klicken Sie hier.

Épinal: doch noch ein kleiner Bericht

Es ist schon eine Weile her, aber da ist noch dieses schöne Foto, das Nina Blazon von mir gemacht hat, gerade in dem Moment, als die Monster kamen …

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Okay, beginnen wir ganz am Anfang: In Épinal findet alljährlich im Mai ein großes Festival der phantastischen Künste statt, die Imaginales. Dieses Jahr wurde das Konzept eingeführt, dass von nun an immer ein Gastland im Mittelpunkt stehen soll, so ähnlich, wie das die Frankfurter Buchmesse macht, und das erste Gastland war – aus relativ naheliegenden Gründen, wenn man sich mal anschaut, wo auf der Karte Épinal liegt – Deutschland. Das sah so aus, dass mehrere deutsche Autoren eingeladen waren, nämlich (in alphabetischer Reihenfolge) Nina Blazon, Christoph Lode, Kai Meyer – und da, so meinte die Organisatorin des Ganzen, Stéphanie Nicot, dürfe ich auf keinen Fall fehlen, da ich nun schon mal in Frankreich lebe, auch wenn ich von allen den längsten Anreiseweg hatte.

Diesem Argument konnte ich mich nicht verschließen, also ging es am 23.5. ab in die schöne Stadt in den Vogesen. Da mein erster Termin gleich am Abend des ersten Tages war, hieß es um 4 Uhr 30 aufstehen, und so hatte ich schon einen recht langen Tag hinter mir, als ich ankam. Glücklicherweise standen hilfreiche Menschen bereit, um anreisende Festivalgäste am Bahnhof abzufangen und in Autos zu verfrachten, die sie zu ihren Hotels brachten. Ich landete mit einem ebenfalls ermattet wirkenden, schweigsamen Menschen in einen Wagen, bei dem es sich, wie ich nachher herausfand, um niemand anderen als den britischen SF-Autor Alastair Reynolds handelte, dessen Platz im Bücherzelt später nur zwei Stühle von meinem entfernt war. Später, wie gesagt. Erst einmal galt es, herauszufinden, wo der Ort war, an dem ich in knapp dreißig Minuten sein sollte und wie ich mich in der kurzen Zeit dafür frisch machen konnte.

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Das große Problem des Festivals 2013 war der, sagen wir mal, Klimawandel. Man hatte mich schon einmal nach Épinal eingeladen, vier Jahre zuvor, und ich erinnerte mich an warme, sonnige Tage, einen lichtdurchfluteten Stadtgarten (in dem das Festival stattfindet, in Zelten und „Magic Mirrors“, einer Art entzückenden Mischung aus Zirkuszelt und Varietebühne). Ich erinnerte mich, dass ich damals ein Hotelzimmer unterm Dach hatte, in das den Tag über die Sonne derart hineinbrazzelte, dass ich abends Mühe hatte, es auf eiweißverträgliche Temperaturen herabzukühlen, und ich erinnerte mich lebhaft, wie ich am letzten Tag, dem Sonntag, von der Brücke aus zugesehen hatte, wie sich die Jugend der Stadt lustige Rennen mit Wildwasserkanus im Fluss lieferte.

Nichts dergleichen fand ich diesmal vor. Zwar hatte ich auch wieder ein Hotelzimmer unterm Dach, wenn auch in einem anderen (und schöneren) Hotel, doch es war die ganze Zeit, um es unumwunden zu sagen, arschkalt. Meistens regnete es auch. Die Hälfte meines wetteroptimistisch gepackten Koffers war nicht zu gebrauchen, und vom Rest musste ich alles auf einmal anziehen, um die Tage zu überstehen. (Den anderen ging es übrigens ähnlich.) „Nett“ war es dann, morgens in der Zeitung zu lesen, dass sich die Vogesen und Süddeutschland die zweifelhafte Ehre teilten, die momentan kälteste Region Europas zu sein; selbst aus Schweden wurden Temperaturen über 20° vermeldet.

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Trotzdem waren die vier Tage in Épinal eine tolle Zeit, an die ich gerne zurückdenke. Es war toll, mal relativ ausführlich Gelegenheit zu haben, mit den Kollegen zu plaudern, mit denen aus Deutschland wie mit denen von anderswoher. Es war toll, dass die Festivalbesucher trotz des Wetters in Scharen kamen, und toll war auch, was die Veranstalter an Schabernack organisiert hatten, um das zu tun, was ja Aufgabe der phantastischen Künste ist: die Menschen zum Staunen zu bringen. Immer wieder wanderten höchst merkwürdige Gestalten durch die Gänge – Feen, Vampire, Zeitreisende und zum Beispiel jene, die man auf dem Foto sieht, die schon ziemlich gruselig daherkamen. Und während wir Autoren in unseren dicksten Kitteln dasaßen, ließen sich die Bodypainter und insbesondere deren „Untergründe“ nicht davon abhalten, Menschen in skurrile, vorwiegend mit Farbe bekleidete Phantasiewesen zu verwandeln, zum allgemeinen Amüsement. Ja, und natürlich gab es Ausstellungen und Podiumsdiskussionen und Buchvorstellungen und so weiter, genug, dass ich kaum dazu kam, einen Rundgang zu machen, um jeden Stand zumindest einmal flüchtig gesehen zu haben. Romane stehen im Mittelpunkt des Festiavsl, ein zweiter Schwerpunkt sind Comics – aber daneben gibt es auch alles mögliche andere, Malerei, Skulpturen, Mode, Schmuck und und und. Dies sei erwähnt für den Fall, dass sich jemand jetzt fragt, ob die Imaginales eine Reise wert sind: Meiner Meinung nach ja!

Titeländerung

Mein unter dem Titel "König, Kanzler, Vaterland" angekündigter nächster Roman wird nun doch unter dem Titel erscheinen, den er bei mir von Anfang an hatte, nämlich "Ein König für Deutschland".

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Warum die zwischenzeitliche Umbenennung (die es sogar bis in die Programmvorschau für die Buchhändler geschafft hat)?

Schuld daran sind (a) die globale Finanzkrise und (b) Peer Steinbrück. Weil der Finanzminister, auf der Suche nach zusätzlichen Milliarden in Steueroasen, sich gegenüber den "Alpenländern" - also der deutschsprachigen Schweiz und dem österreichischsprachigen Österreich - im Ton vergriff, befürchtete die Konferenz der Buchvertreter im Hause Lübbe, dass sich ein ohnehin starker Trend bei Buchhändlern in der Schweiz und in Österreich, keine Romantitel ins Lager zu nehmen, die sich nur mit Deutschland beschäftigen und daher "nur von lokalem Interesse" sind, so weit verstärken könnte, dass Romane mit dem Reizwort "Deutschland" im Titel in der Schweiz und Österreich quasi unverkäuflich würden.

Mein Einwand, dass eine Titeländerung ja nichts am Inhalt des Buches ändere; man also quasi Etikettenschwindel betreibe, blieb wirkungslos. Ich müsse mir das eher als eine Art "Tarnkappentechnik" denken.

Es gab dann ein ziemliches Hin und Her um den "zweitbesten" Titel, wie ich das nannte, denn es ist nun mal schwer, für ein Buch, das mit einem bestimmten Titel im Kopf geschrieben wurde, einen passenden anderen Titel zu finden. Mit dem Resultat hätte ich zwar leben können (man muss ja nicht immer glücklich sein) - doch im Lauf der Zeit zeigte sich, dass jeder, der mit dem Buch zu tun hatte, immer erst mal nachdenken musste, wie es eigentlich hieß. "König... ähm, dingens... und irgendwas mit Vaterland." Nicht gerade ein Titel, den man griffig nennen könnte.

Was auch immer letztendlich der Grund war, jedenfalls wird das Buch nun doch mit dem bösen D-Wort im Titel erscheinen.

Und weil ich irgendwie nicht glauben kann, dass Buchhändler in der Schweiz und Österreich so funktionieren, wie man mir erklärt hat (sind nicht gerade Buchhändler ausgesprochene Individualisten?), möchte ich das gern mit Hilfe eines kleinen Preisausschreibens testen: Die ersten drei Leser, die mir nach Erscheinen des "Königs von D." ein Foto eines in einer Schweizer oder Österreicher Buchhandlung ausliegenden Exemplares (es dürfen natürlich auch mehrere Exemplare, gern auch Stapel sein) mailen, erhalten von mir ein gewidmetes Exemplar eines meiner Romane nach Wahl zugeschickt (vorbehaltlich dessen, dass ich davon noch ausreichend Belegexemplare habe; das trifft nicht mehr auf alle meine Bücher zu; aber man darf sich gern auch eine fremdsprachige Ausgabe wünschen, schließlich geht es hier ja um Weltoffenheit). Ein vierter Preis geht unter allen bis zur Bundestagswahl eingesandten Bildern an den Einsender desjenigen, auf dem die meisten Exemplare des Buches zu sehen sind.

Teilnehmen dürfen nur Fotos, die in Buchhandlungen der Schweiz oder Österreichs gemacht wurden (bitte deren Adressen mitschicken!); die Nationalität der Einsender spielt dagegen keine Rolle. Klar ist mir, dass dieses Preisausschreiben treue Leser in Regionen, die das Pech haben, weit von den Alpen entfernt zu liegen, benachteiligt, aber was soll ich machen? Das Leben ist nun mal selten fair. Aber es wird (hoffe ich jedenfalls) weitere Bücher geben, und dann denke ich mir was Gerechteres aus.

Da ja kaum jemand diese Kolumne liest, stehen die Chancen übrigens gut; der Rechtsweg ist allerdings ausgeschlossen. (Solche Dinge muss man heutzutage leider explizit sagen.) Aber nun nicht gleich losrennen! Das Buch erscheint erst im September, dürfte also vor Ende August nirgends zu finden sein.