"Author Talk": die ganze Geschichte

kinokarten
Nachdem ich heute mittag meine Homepage aktualisiert hatte, schrieb mir jemand, Apple München habe in der Tat zu dem ausgefallenen "Author Talk" Event erklärt, der Autor sei kurzfristig erkrankt. Wie diese Mitteilung zustande kam, weiß ich nicht, aber Tatsache ist jedenfalls, dass ich keineswegs erkrankt war, im Gegenteil, es ist mir gesundheitlich selten so gut gegangen wie auf dieser Lesereise. Ich war sogar in München. An dem Abend, an dem der "Author Talk" hätte stattfinden sollen, haben meine Frau und ich mit einem guten Bekannten im (sehr empfehlenswerten) "Wirtshaus in der Au" gegessen, am Abend davor waren wir im Kino am Sendlinger Tor in dem (leider sehr enttäuschenden und keinesfalls zu empfehlenden) Film "Wall Street II".

Wie kam das? Let the author talk ...

Es begann Ende August mit einem Email aus dem Hause Apple, man wolle eine Veranstaltungsreihe "Meet the Author" realisieren, und da mein Roman "Eine Billion Dollar" gerade die Top Ten des iBookstores bevölkerte, fragte man an, ob ich nicht Lust hätte, diese Sache zu eröffnen. Lust hatte ich, aber keine Zeit, da ich mit der Rohfassung meines nächsten Romans noch vor der Lesereise fertig sein wollte. Da ich aber im Anschluss an besagte Lesereise aus privaten Gründen ohnehin noch ein paar Tage nach München wollte, fragte ich zurück, wie es denn damit wäre? Wunderbar, hieß es, würde gut passen. Ein Telefonat später ging es nur noch um die Frage, ob 11. oder 12.11., was bekanntlich erst mal zu einem Termin um 12 Uhr am 12.11. führte. Der Verlag schickte Autorenfotos und dergleichen auf die Reise, für die Werbung, die Apple im Vorfeld machen wollte. So weit, so gut.

Ein paar Tage, ehe mein Zug nach Deutschland ging, kam die Anfrage: Man befürchte zu viele Besucher am Mittag, ob man nicht auf den 11. und auf den Abend ausweichen könne? Ich wunderte mich kurz, weil ich eigentlich davon ausgegangen war, dass diese Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt längst in allen möglichen Magazinen, auf Plakaten usw. angekündigt sein würde, und zumindest teilweise auch in gedruckter Form, was sich bekanntlich nicht ganz so einfach ändern lässt wie eine Website. Aber gut, war ja kein Problem, also sagte ich zu, strich den einen Termin in meinem Kalender, schrieb den anderen hinein und schrieb noch rasch eine entsprechende Meldung auf meine Homepage.

Zwei Wochen später, am Freitag, dem 5.11., rief ich nachmittags im Ehinger Buchladen an, um Bescheid zu sagen, dass ich einsatzbereit war - es erleichtert Buchhändler immer, das zu erfahren, deswegen gehört dieser Anruf zu meinen Gewohnheiten, sobald ich das jeweilige Quartier erreicht habe. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich (mobil nicht erreichbar, wie ich zu reisen pflege), dass der Verlag eine Nachricht für mich hinterlegt habe, wonach die Veranstaltung bei Apple in München ausfalle. Hmm. Ich rief sicherheitshalber noch meine Agentur an, um das zu verifizieren, und die sagten dasselbe. Also strich ich den Termin in meinem Kalender, dachte mit Unbehagen daran, dass er auf meiner Website bis zu meiner Rückkehr stehen bleiben würde, und konzentrierte mich dann auf die bevorstehende letzte Lesung. Nach München fahren würde ich natürlich trotzdem, und es ist ja nicht so, dass man sich dort langweilen müsste, wenn ein Termin ausfällt. Und, ja, ich war nicht unfroh darüber, mit der letzten Lesung sozusagen "Feierabend" und damit eine Woche Freizeit vor mir zu haben.

So kam es, dass wir an besagtem Abend im Kino saßen. Wobei – die Firma Apple verfolgte uns auch dort: Neben uns saßen zwei junge Münchnerinnen, die sich, während alles darauf wartete, dass es dunkel würde und der Film losginge, emsig miteinander unterhielten und nebenher immer wieder ihre SMS checkten. Bei der Gelegenheit kam ich nicht umhin zu bemerken, dass die eine der beiden zwei iPhones in der Handtasche hatte, die sie immer beide einschalten musste, um sie voneinander unterscheiden zu können.

Und ich rätsele bis auf den heutigen Tag, wozu um alles in der Welt jemand zwei iPhones brauchen könnte …